Willkommen am Detlefsengymnasium in Glückstadt

Bettler-Oper begeistert (2009)

50 Mitwirkende und ein volles Haus / Eine weitere Aufführung heute um 19 Uhr

Das gleich vorweg: John Gay‘s „Beggar’s Opera“ (1728) steht lediglich Pate für die Drei-Stunden-Inszenierung, die Regine Borg-Reich und Wieland Reich auf die „Bühne“ des Detlefsengymnasiums brachten.

Um den Kern dieser vor allem durch Brechts „Dreigroschenoper“ bekannt gewordenen „Oper für Bettler“ zu verändern und zu erweitern, griffen die beiden Musikpädagogen auf eine Fülle musikalischer Zitate und Einfälle zurück, arrangierten und dichteten um, bauten aktuelle Anspielungen lokaler und globaler Natur ein und motivierten praktisch die gesamte Schule zur Mitarbeit an diesem Großprojekt. Heraus kam eine „Bettler-Oper à la Reich“, die vom Premieren-Publikum in der knallvollen Pausenhalle der Schule mit großem Beifall aufgenommen wurde.

Es ist schon außerordentlich bewundernswert und idealistisch, was die mehr als 50 Mitwirkenden auf der „Bühne“ leisteten: Schauspiel, Orchester-Musik, Solo-Gesang mit Begleitung, umfangreiche Chornummern. Dazu gibt es ein sinnig gestaltetes Bühnenbild (Vincent Schubarth) und derart liebevoll gestaltete Kostüme, dass zum Ohren- auch der Augenschmaus hinzukam. Dass die Jugendlichen ein anstrengendes, diesmal besonders langes Schuljahr hinter sich haben, sei nur am Rande erwähnt. Ihr Engagement verdient mehr als Respekt.


Es gibt nur eine Moral: Cash!

Die bekannten Handlungselemente der Gay’schen Oper – Anwalt und Verbrecher Peachum will unter allen Umständen die verbrecherischen Geschäftspraktiken von Macheath unterbinden, was nicht nur an dessen umfänglichen Frauenverbrauch scheitert – dienen als Stichwortgeber für die 21 Musiknummern. Stellvertretend für alle seien einige Highlights herausgehoben: Inga Wohlenberg singt als Polly ein melancholisches Lautenlied von John Dowland, begleitet von Bryan Bast an der Gitarre. Polly und Macheath (Michel Weiß, als Dandy inszeniert) gestalten ihre Liebesszene à la Shakespeare’s Romeo und Julia, und dazu flöten Lerche und Nachtigall.

Den Oskar für die beste Nebenrolle verdienten sich die beiden Polizistinnen Lara Breyer und Anneke Dubbeldam, die Macheath abführten. Die beiden Sechstklässlerinnen fanden ihren Auftritt „nicht schlecht“, eine bescheidene Untertreibung angesichts von Temperament, Witz und Präzision ihrer Verhaftungsmanöver.

Ihnen entkam Macheath nicht: Lara Breyer u. Anneke Dubbeldam.

Den Schluss-Song, getextet von Wieland Reich, sangen dann in der Zugabe auch die Zuschauer mit: „Nur eine Moral, das ist viel zu wenig“. Mit den vielen liebevoll gestalteten Details, zum Beispiel in der Maske, den musikalischen Raffinessen und den politisch amüsanten Gags gelang den beiden Spielleitern eine ausbalancierte Inszenierung. Über allem aber stand die unglaubliche „Power“ der Kinder und der Jugendlichen, die zu Recht voller Stolz auf ihre Leistung bis über beide Bettler-Ohren strahlen konnten.
Peter A. Kaminsky


In jedem Gewerbe der Welt
Trad. An old woman clothed in gray;
Beggar’s Opera Nr. 2 Thro’ all the employments of life
Deutscher Text: W. R.
In der Dreigroschenoper als Der Morgenchoral des Peachum, die einzige von Kurt Weill übernommene Melodie.





Nur eine Moral, das ist viel zu wenig

Melodie: »Lilliburlero«; in der Beggar’s Opera als »The modes of the court so common are grown«; Text: W. R.

Die Melodie, die heute dem BBC World Service als Erkennungsmusik dient, ist vermutlich im frühen 17. Jahrhundert in Irland entstanden. Henry Purcell verarbeitete das Volkslied schon 1689 in einem Cembalostück; daneben sind auch frühe französische Versionen überliefert. Seine Verwendung in der Beggar’s Opera belegt, wie populär das Lied einst war – und zwar in der Verknüpfung mit vielen unterschiedlichen Texten, vom frivolen Kneipengedicht (»Good Advice to Batchelors How to court and obtain a young lass«) bis zum politischen Spottvers.

In dieser Fassung wird es sogar in einem der wichtigsten englischen Romane des 18. Jahrhunderts zitiert (Laurence Sterne: Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman). Ein beträchtlicher Teil des Liedes besteht aus Silben, die im Englischen eigentlich keinen Sinn ergeben, jedoch hier und da als Verballhornungen irischer Satzfragmente gedeutet werden. So entstand der Titel (Schreibweise auch Lily Bolero u. a.).

In unserer Textfassung spielt Robert Walpole eine gewisse Rolle. Er war ab 1721 faktisch, ab 1730 auch formell bis zu seinem Rücktritt 1742 Großbritanniens erster Premierminister. Sein enormer politischer Einfluss, die Tendenz, stark zu polarisieren, und mancher Winkelzug machten ihn zu einem häufigen Ziel von Satire und Parodie. Er wurde oft mit dem „echten“ Verbrecher Jonathan Wild verglichen – so auch von John Gay in seiner Beggar’s Opera. 1720 erfasste England eine gewaltige Spekulationswelle.

Man nahm an, die South Sea Company werde gigantische Gewinne einfahren; diese sollte deshalb die Staatschulden im Austausch gegen gewinnbringende Rentenpapiere übernehmen. Viele Leute investierten in die Handelsgesellschaft. Die Kurse brachen jedoch ein und die so genannte »Südsee-Blase« platzte. Da Walpoles Bankier ihm frühzeitig zum Verkauf seiner Anteile geraten hatte, entging er dem finanziellen Ruin. Die meisten anderen kamen nicht so glimpflich davon.










Bettler-Oper im Detlefsengymnasium

Die Kulissen sind fertig gemalt, die Requisiten gebastelt, alle Kostüme sind genäht. Nun beginnt die Phase der letzten Hauptproben unter realen Bühnenbedingungen. „Da es im Detlefsengymnasium keine feste Bühne gibt, muss diese für jede Probe in der Pausenhalle aufwendig gebaut werden. So wünschen sich alle die baldige Realisierung des geplanten Lernzentrum-Neubaus, in das eine fest installierte Bühne integriert werden soll“, sagt Musiklehrer Dr. Wieland Reich.


Arbeitet am Bühnenbild: der Kunstlehrer des Gymnasiuns, Vincent Schubarth. Foto: Reimers

Über 70 Mitwirkende vom Sextaner bis zum Abiturienten führen als Schauspieler, Sänger und Instrumentalisten zum Abschluss des Schuljahres eine Bearbeitung der „Beggar’s Opera“ von John Gay auf.

Das 1728 uraufgeführte Werk ist keine Oper im traditionellen Sinne, sondern ein Theaterstück mit vielen Liedern. Dabei handelt es sich um Volkslieder aus unterschiedlichen Quellen, für die John Gay neue Texte geschrieben hat. Bekannter als das Original mit der Musik von Johann Christoph Pepusch sind die Bearbeitungen, allen voran die von Bertolt Brecht mit der Musik von Kurt Weill, die „Dreigroschenoper“.

Um allen Anforderungen der vielen jungen Schauspieler und Musiker gerecht zu werden, haben die beiden Musiklehrer Regine Borg-Reich und Dr. Wieland Reich eine eigene Fassung des Stoffs mit Musikstücken zahlreicher Komponisten aus mehreren Epochen erarbeitet.

Darum geht es: Mister Jonathan Jeremiah Peachum, ein gefühlt ehrbarer Anwalt und mildtätiger Schirmherr des Waisenhauses, hat offenbar noch eine zweite, eine kriminelle Seite. Er sieht seine einträglichen Nebeneinkünfte durch Macheath gefährdet, denn der beginnt ihm das Hehlereigeschäft streitig zu machen. Und nicht nur das, hat jener doch Gefallen an Peachums Tochter Polly gefunden. Macheath aber, auch seiner hinlänglich bekannten Untreue wegen, ist alles andere als der ideale Schwiegersohn. Amouröse und geschäftliche Verwicklungen sind unvermeidbar. Und auch die Moral hat einiges mitzumachen: Ist sie einfach nicht zu gebrauchen, wird sie halt doppelt genommen.

Die Aufführungen finden statt am Mittwoch, 15. Juli, und am Donnerstag, dem 16. Juli, jeweils um 19 Uhr in der Pausenhalle des Detlefsengymnasiums. Der Eintritt ist frei; um eine Spende zur Deckung der Kosten wird gebeten. In der Pause werden außerdem Getränke und Speisen von Eltern angeboten.


Musiktheaterstück "Die Bettler-Oper"
Aufführungen am 15. und 16. Juli 2009

Die Bettler Oper

Reservierungskarten

Glückstadt, im Juni 2009

Liebe Eltern!

Unsere Proben zum Musiktheaterstück Die Bettler-Oper befinden sich in der „heißen Phase“. Manche von Ihnen haben vielleicht am Präsentationstag der
Vorhabenwoche die Kulissen und Schilder gesehen. Wir werden das Stück zweimal aufführen, und zwar am 15. und 16. Juli, jeweils um 19 Uhr.

Auch in diesem Jahr haben wir wieder kostenlose, mit Aufführungsdatum versehene Reservierungskarten vorbereitet. Wir wollen auf diese Weise gewährleisten, dass vor allem Sie als die Angehörigen der Mitwirkenden eine gute Sicht auf Ihre Kinder haben, indem wir einen bestimmten Bereich mit Stühlen für diese Karteninhaber reservieren. Außerdem ermöglicht es uns – und Ihnen – einen Überblick über die Auslastung der beiden Veranstaltungen.
Bitte sehen Sie es uns nach, dass es sich bei den Karten nicht um nummerierte Platzkarten handelt, denn das würde unseren Vorbereitungsaufwand am Aufführungstag selber in der stark frequentierten Pausenhalle so erhöhen, dass es nicht mehr zu bewältigen wäre. Für Sie als Angehörige bedeutet die Besorgung der Karten ja auch keine zusätzliche Lauferei, da dies Ihre Kinder übernehmen können.

Wir möchten Sie in dem Zusammenhang bitten, im Interesse Aller nur so viele Karten bei Frau Krass bzw. Frau Warnke zu entnehmen, wie Sie auch wirklich benötigen, und auch nur für den von Ihnen bevorzugten Aufführungstermin.

Die Karten sind ab Mittwoch, den 1. Juli nur zu den Bürozeiten (7:30 bis 13:00 Uhr) erhältlich.
Telefonische Reservierungen können nicht ausgeführt werden. Der Zutritt ohne Karten ist übrigens selbstverständlich auch möglich! Für diese Gäste sind Sitzgelegenheiten in anderen Bereichen der Pausenhalle vorgesehen. Niemand wird abgewiesen!


Wie in jedem Jahr wird wieder ein umfangreiches Programmheft ausliegen, das Informationen zu unserem Aufführungsprojekt und natürlich die Namen sämtlicher Mitwirkenden – vor und hinter den Kulissen – enthält. Die Schüler/innen freuen sich immer sehr, wenn das zur Kenntnis genommen wird. Zusätzlich wird Sie eine Begleitausstellung erwarten, die ein Projektkurs des 13. jahrgangs vorbereitet hat. Die Ausstellung vertieft die historischen Hintergründe der Bettler-Oper von 1728. Für eine auch kulinarisch kurzweilige Pause sorgen auch in diesem Jahr wieder unsere tatkräftigen „Milchmütter“.

Abschließend möchten wir uns bei den Eltern der Mitwirkenden schon jetzt für das Verständnis für unsere zusätzlichen Probentermine bedanken. Wir haben sie für die Mitglieder des unterstufenchores so gering wie möglich gehalten, aber einige Intensivproben sind einfach nötig, damit die Kinder das komplexe Bühnengeschehen verinnerlichen und die Koordination von Musik und Theaterhandlung bewältigen.

Alle Mitwirkenden sind übrigens am 16. Juli in den ersten beiden Stunden vom Unterricht befreit.

Wir wünschen Ihnen schon jetzt viel Vergnügen bei unserem Sommertheater und freuen uns auf viel Publikum bei beiden Aufführungen!

Herzlich Ihre
Regine Borg-Reich und Wieland Reich