Willkommen am Detlefsengymnasium in Glückstadt

Schüler lernen wieder länger
Detlefsengymnasium kehrt 2019 zu neun Jahren Unterricht zurück / 2026 gibt es keinen Abiturjahrgang

Christine Reimers
Hartmut Appel hat sich arrangiert. Bisher war er Verfechter des Abiturs nach acht Jahren Schulbesuch am Gymnasium – auch G 8 genannt. Doch jetzt ist klar: Ab 2019 besuchen die Schüler wieder neun Jahre lang das Detlefsengymnasium. „Wir nehmen die Herausforderung G 9 an“, sagt der Direktor. „Wir werden mit unserem Modell vielfältige Interessen berücksichtigen, und wir werden unser sehr gutes Angebot aufrecht erhalten.“
Das erfolgreiche Modell sieht so aus: Schüler kommen ab der fünften Klasse und machen Abitur, andere kommen erst nach sechs Jahren Gemeinschaftsschule auf das Detlefsengymnasium, um dort nach weiteren drei Jahren das Abitur abzulegen. 767 Schüler und 61 Lehrer hat das Detlefsengymnasium zurzeit.

Dass Hartmut Appel jetzt Zugeständnisse an G 9 macht, hat mehrere Gründe. Zum einen war unklar, wie sich die Schulkonferenz entscheiden würde. Diese ist zu je einem Drittel mit Lehrern, Eltern und Schülern besetzt – insgesamt haben in Glückstadt 36 Vertreter eine Stimme. Drei Viertel von ihnen hätten für G 8 stimmen müssen. Appel wusste um die Stimmungslage: „Sie war auf der Kippe.“ Es wurde nicht abgestimmt, was auch nicht notwendig war. Denn die Landesregierung hatte beschlossen: Fasst die Schulkonferenz keinen Beschluss, wird an der Schule automatisch wieder eine Schuldauer von neun Jahren eingeführt.

Appel sah die Lage im Vorwege kritisch. Er hatte die Befürchtung, dass die Kinder mittags nach Hause geschickt werden müssten. Und dass dann das Mittagessen wegfällt. Doch Appel wollte genau das erhalten, um Unterricht und Arbeitsgemeinschaften am Nachmittag zu ermöglichen. Vor allem die modernen Dinge wie mediales Arbeiten und die Stärkung der Naturwissenschaften drohten nicht mehr stattzufinden, sagt er. Dann kam die Zusage aus dem Ministerium, dass es für die fünften, sechsten und siebten Klassen je eine zusätzliche Stunde zur Verstärkung geben wird. Das Modell Offener Ganztag am Gymnasium wird weiterhin bezuschusst. „Und dazu muss ich das Mittagessen anbieten“, erklärt Appel, wie die Mensa gerettet werden konnte. „Nach den Verbesserungen der Ministerin haben wir auf die Abstimmung in der Schulkonferenz verzichtet.“

Jetzt laufe bis zum Sommer 2019 alles „normal“ weiter. Es gebe genügend Lehrer und alle Stunden können gegeben werden. Tatsächlich wird der Jahrgang, der im Sommer eingeschult wird, auch erst nach neun Jahren Abitur machen. Durch das neue System wird es eine historische Besonderheit geben: 2026 wird es erstmals in der Geschichte des Gymnasiums kein Abitur geben.