Willkommen am Detlefsengymnasium in Glückstadt

Detlefsengymnasium für eine wehrhafte Demokratie


In den Herbstferien entdeckten wir am Detlefsengymnasium auf einem Tisch folgende Schmiererei:

Judenschweine vergast sie alle (Hakenkreuz)


Diese Schmiererei hat offensichtlich längere Zeit auf dem Tisch gestanden. Das Bedürfnis seitens der dort sitzenden Schülerinnen und Schüler, diese zu melden oder zu entfernen, bestand nicht. Die besondere Bedeutung antisemitischer Schmierereien wurde offensichtlich nicht erkannt, die Schülerinnen und Schüler selbst fühlten sich nicht verletzt.

Kraft Amtes hat der Schulleiter Anzeige wegen Volksverhetzung gem. §130 StGB gegen Unbekannt erstattet. Dieses Vorgehen unterstreicht die Ernsthaftigkeit, mit der wir auf diesen Vorfall reagieren. In einer Schule, die kaum Vandalismus und Schmierereien kennt, haben nach Bekanntwerden des Vorgangs viele erschrocken reagiert. Wegen der Schwere der Schmiererei war klar, dass eine ausschließlich pädagogische Aufarbeitung nicht ausreicht. Eine klare, auch rechtliche Grenzziehung war angezeigt, da der Hintergrund dieses Antisemitismus nicht geklärt ist.

Wir, Schulleitung, Lehrerkräfte, Schülerinnen und Schüler und Eltern, sind uns als schulische Akteure unserer besonderen Verantwortung bewusst, die uns aus dem antisemitischen Vorfall an unserer Schule zukommt. Aus diesen Gründen haben wir uns für eine Mischung aus Aufklärung, Intervention und Repression (Anzeige) entschieden. Neben der Anzeige ist die Verortung dieses Antisemitismus sowie unser pädagogischer Umgang damit Gegenstand unseres weiteren Vorgehens.

Eine Überprüfung unseres Umgangs damit im Geschichtsunterricht sowie die Erweiterung unseres Präventionskonzeptes in Bezug auf Antisemitismus stehen an. Grundsätzlich müssen wir für die Aufarbeitung zwei Grundthesen in Betracht ziehen:
1. Antisemitismus ist nicht ein Vorurteilssystem neben anderen (Rassismus im Allgemeinen, Homophobie etc.), sondern Ausdruck einer durch Emotionen aufgeladenen autoritären Weltanschauung, die einen Angriff auf unsere Demokratie darstellt.
Dieser Prozess ist ein schleichender und wird im politischen Kontext durch die Verschiebung des Sagbaren befördert, wie wir es gerade in der Politik erleben.
2. Die ständige Verbreitung und Verharmlosung nazistischer, antisemitischer, rassistischer und sexistischer Sticker und Bilddateien im Netz, die u.a. in WhatsApp-Gruppen auch schon unseren jüngsten Schülerinnen und
Schülern weitergeleitet werden, führen zu Hilflosigkeit im Umgang damit und zu Abstumpfung.

Den Schülerinnen und Schülern war es ein besonderes Bedürfnis, ein starkes Zeichen zu setzen, da sie auch auf die Grenzverletzungen, denen sie täglich im Netz ausgesetzt sind, aufmerksam machen wollen. Auf die Besonderheit des Antisemitismus in diesem Gesamtkontext ist hingewiesen worden.

Das Detlefsengymnasium sendet eine klare Botschaft:
70 Jahre Grundgesetz haben wir in diesem Jahr gefeiert und seine Bedeutung für uns und unsere Demokratie gewürdigt. Es hing ein großes Banner in der Aula mit der Aufschrift „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Artikel 1 GG Wir stehen zum GG und einer wehrhaften Demokratie. Deshalb fühlen wir uns durch diese antisemitische Schmiererei als Demokraten angegriffen und herausgefordert. Wir, die Schulleitung, LehrerInnen, Schülerin- nen und Schüler, Eltern und alle zur Schulgemeinschaft gehörenden Personen, wehren uns gegen diese Art der Hetze.
  •  Wir wehren uns gegen jede Form von Diskriminierung und Herabwürdigung von Menschen.
  •  Wir gehen gegen diese anonymen Schmierereien rechtlich vor.
  •  Wir lassen uns die Zusendung nazistischer, antisemitischer, rassistischer und sexistischer Sticker und Bilddateien im Netz nicht mehr gefallen.
  •  Wir sagen „Nein“ und schweigen nicht, denn Schweigen wird als Zustimmung missverstanden.
  • Das Detlefsengymnasium sagt „Ja“ zu Respekt, Toleranz und Menschenwürde.

Schulleitung - Personalrat - Schülervertretung - Elternvertretung - Sekretärinnen - Hausmeister


Mit einer groß angelegten Plakat-Aktion machten die Schüler des Detlefsengymnasiums klar, wie sie zu Rassismus und Antisemitismus stehen.

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Eine Schule stellt sich geschlossen gegen Rassismus und Antisemitismus. Schüler und Lehrer des Detlefsengymnasiums wollen wachrütteln. Nachdem vor Kurzem antisemitische Schmierereien auf einem Schülertisch entdeckt worden war, wurde gehandelt.
„Wir nehmen das sehr ernst und wehren uns entschieden gegen diesen Angriff auf unsere Menschenwürde und die Demokratie“, betont Direktor Hartmut Appel und verweist auch auf das in diesem Jahr seit 70 Jahren bestehende Grundgesetz, in dem es im ersten Artikel heißt: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“

Und mit dieser Menschenwürde nimmt es das Detlefsengymnasium sehr ernst. Der Satz „Judenschweine, vergast sie alle“ und ein Hakenkreuz wurden auf den besagten Tisch geschmiert. „An einer Schule, die kaum Schmierereien und Vandalismus kennt, war der Schock über den Vorfall bei allen sehr groß“, erklärt Appel. Und das gilt nicht nur für die Lehrer der Schule, sondern auch für die Schüler.

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Die Schülervertretung hat sich deshalb auch zu einer eigenen Veranstaltung gegen Rassismus in jeder Form entschieden. Dazu wurden alle Schüler aufgefordert, ihre Meinung auf Plakaten kundzutun. In einer gemeinsamen Aktion wurden die Schüler in der Aula versammelt und aufgefordert, ihre Plakate und Banner hochzuhalten. Die Schülervertretung machte von der Aktion Fotos, die auf der Internetseite der Schule veröffentlicht werden sollen, um den Standpunkt der Schule auch nach außen hin deutlich zu machen.
Emilia Kern, die die Aktion federführend organisierte sagt dazu: „Wir wollen als Schule gemeinsam ein Zeichen setzen und zeigen, dass jegliche Form der Diskriminierung bei uns nicht toleriert wird.“ Direktor Appel hat außerdem Kraft seines Amtes Anzeige wegen Volksverhetzung gegen Unbekannt erstattet. „Wer auch immer diese Schmiererei verursacht hat, soll wissen, dass es eine ernste Straftat ist, die er oder sie begangen hat“, erklärt er das Vorgehen. Die Polizei ermittelt zurzeit in der Sache.