Willkommen am Detlefsengymnasium in Glückstadt

Musiktheater mit Augenzwinkern

Schüler des Detlefsengymnasiums begeistern mit ihrem neuen Stück

„Alles gut!“ Mit dieser Beschwichtigungsfloskel werden wir täglich bombardiert. Das neue Musiktheaterstück des Detlefsengymnasiums greift diese Redewendung auf und nutzt sie zu einem Bombardement mit Musik und Literatur: Beethoven, Mozart, Dvorák, Saint-Saëns, Hindemith, Eisler, Kreisler (nur eine bescheidene Auswahl!) werden garniert mit Texten von Brecht, Tucholsky und vielen anderen mehr. Vor allem von Philosophen. Denn die Textgrundlage für „Alles gut!“ bildet der Roman „Candide“ des französischen Aufklärers Voltaire (1694-1778).
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Was ist also zu erwarten? Ein Kulturbildungsbombardement auf höchstem Niveau? Mitnichten! Dafür sorgen die Zugpferde der weltumspannenden Handlung: Torge Feldt als Candide, Charlotte Willuhn als Kunigunde sowie Jan Haars, Tom Möller, Merle Zils, Jana Schulze und Matthias Butz, um nur einige zu nennen. Und natürlich Pauline Looft als globale Marketenderin. Köstlich! Und amüsant. Die Detlefsenlehrer Regine Borg-Reich und Wieland Reich inszenieren nämlich ihr Dreistunden-Stück nicht todernst, sondern immer mit einem anspielungsreichen Augenzwinkern.

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In der von unfassbaren Zufälligkeiten geprägten Handlung geht es nämlich um die Frage nach der besten aller Welten, einem philosophischen Standardthema. Und die Antwort in der gut besetzten Detlefsen-Aula fällt (ähnlich wie bei Voltaire) praktisch, handlich und gut schmeckend aus: Bratwurst! Das entsprechende „Bratwurstlied“, eigentlich nicht gut genug für die musikalische Qualitätskontrolle des Regie-Tandems, kam auf jeden Fall am besten beim Publikum an. Mit Beethoven, Bratwurst und Bett-Philosophie endet die Suche nach der beste der Welten. Diesen Spielball nimmt Detlefsen-Chef Hartmut Appel in seiner Dankesrede an das Riesen-Ensemble der Musik-Theater-Arbeitsgemeinschaften natürlich auf: Es sei eben „die beste aller Schulen“, an der man zu dieser großartigen Leistung imstande sei.
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Aber ohne sie liefe nichts, sie sind Markenzeichen des Detlefsengymnasiums: Wieland Reich und seine Frau Regine Borg-Reich. Diese beiden Musikpädagogen stellen seit mehr als 20 Jahren jährlich ein mit Schülerinnen und Schülern selber gestaltetes Musikstück auf die Bühne. Dabei überwinden sie mit grenzenlosem Optimismus und nie versiegender Tatkraft alle Hürden, die sich in den Weg stellen könnten. 21 (!) selber arrangierte Musikstücke, die den Text Voltaires auflockern, illustrieren die turbulente Handlung von „Alles gut!“ Allein die lehrreichen und zugleich unterhaltsamen Bemerkungen im 32-seitigen Programmheft bieten einen Lesegenuss. Das Drumherum: Die wuselnden Bühnentechniker, die Milchmütter, der hin- und herrangierende Chor – da ist alles vorausschauend gemanagt und augenscheinlich nichts vergessen worden.

Zum Markenzeichen „Made in Glückstadt“ gehören natürlich die exotischen Instrumente, diesmal ein so genanntes „Wanzen-Klavier“, das mittels Reißnägeln an den Hämmern beschädigt klingende Klänge erzeugen soll, was auch vortrefflich gelingt: Richtig falsch gespielt, klasse! Thore Sörensen und Stella Glismann spielen auf diesen Instrumental-Exoten. Und im Pausengespräch wird klar: Es macht ihnen richtig Spaß. Das äußert auch die Kunigunde-Darstellerin Charlotte Willuhn. Wie man das schaffe, unmittelbar vor den Ferien so eine großartige Leistung abzurufen? „Man schafft es! Alles gut!“ Na, denn! Dann ist ja alles gut.
Peter A. Kaminsky Letzte Vorstellung: 20.7.2017, 19 Uhr, in der Aula des Detlefsengymnasiums, Eintritt frei, um eine Spende wird gebeten.